Frauen im Negligé ließen im geheimnisumwobenen Boudoir ihren Phantasien freien Lauf. Einen Blick hinter den Paravant ermöglicht nun eine Ausstellung im Schloss Artstetten, die sich diesem reizvollen Thema widmet.
Heute gibt es sie so gut wie nicht mehr, die Bereiche in denen Frauen das alleinige Sagen haben. Aber es gab sie, und zwar lange Zeit vor der Emanzipation. Das Boudoir gehörte im 18. und 19. Jahrhundert zum gut geführten Haushalt. Es war ein Bereich zwischen Schlafzimmer und den öffentlichen Wohnräumen. Einblicke in diese geheimnisvolle Welt gibt nun die Ausstellung “Das Boudoir und seine Geheimnisse”.

Das Wort Boudoir kommt aus dem Französischen und bedeutet (franz. “bouder”: sich zurückziehen, schmollen) Rückzugs- oder Schmollraum. Nicht einmal der Ehemann durfte – ohne Erlaubnis der Frau – das Boudoir betreten. Der ideale Ort also um weiblichen Phantasien freien Lauf zu lassen, sich alleine zu vergnügen, sich mit Freundinnen zu treffen, sich auf ihn vorzubereiten oder geheime Liebesbriefe zu schreiben.
Ideal – nicht nur – für private Gespräche war das sogenannte “Vis-a-vis”, ein Zweisitzermöbel, bei dem man sich sehr nahe gegenüber sitzen und sich sehr, sehr nahe kommen konnte. Das Boudoir war auch mit anderen ganz bestimmten Möbeln ausgestattet. Es gab sogar angesehene Boudoir-Maler wie François Boucher, die mit ihren heiteren und sinnlichen Motiven zum Pflicht-Interieur gehörten.
Ein Toilette-Tisch und die sogenannte “Psyche” (ein Ganzkörper-Drehspiegel) gehörten ebenfalls zur Ausstattung. Was die Kleidung im Boudoir betrifft, haben die Damen des Hauses hier so manchen Besuch im Negligé empfangen, sollen dabei aber immer elegant und gepflegt gewesen sein. In der Öffentlichkeit hätten sie sich dennoch niemals so freizügig präsentiert.
Diese Tradition sollte man unbedingt wieder aufleben lassen.
“Das Boudoir und seine Geheimnisse” ist im Rahmen der Dauerausstellung “Für Herz & Krone” im Erzherzog Franz Ferdinand-Museum im Schloss Artstetten bis 1. November 2009 täglich von 9 bis 17.30 Uhr zu besichtigen.
Link-Tipp: Schloss Artstetten ![]()
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