Bauchspeck statt Hungerknochen

Rubens_centaures-sOffensichtlich bin ich nicht die Einzige, die mit abgemagerten Hunger-Models nicht mithalten kann und will! Das Foto eines Models mit Bauchspeck in der Septemberausgabe des US-Hochglanzmagazins “Glamour” sorgt für Begeisterung bei den Lesern.

Hier ist XL-Fotomodell Lizzi Miller, 20 Jahre, 1,80 Meter groß und 79 Kilo schwer. Unbekümmert und lachend zeigt sie sich mit allen Vorzügen und (körperlichen) “Schwächen” vor der Kamera.

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XL-Model Lizzi Miller in der Glamour

Im Begleitartikel spricht Miller über ihr Leben als bummelige Jugendliche, ihre Diäten und erzählt, dass sie ihren Körper erst lieben lernte, als auch immer mehr Stars zu ihren Kurven standen.

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Das Foto hat Glamour eine wahre Flut an begeisterten Kommentaren eingebracht. Chefredakteurin Cindi Leive war von den Reaktionen überrascht und hofft, eine Revolution losgetreten zu haben. Schon wenige Tage nach Erscheinen der September-Ausgabe gingen bei der Redaktion fast tausend enthusiatische Zuschriften ein – so viele, wie noch nie.

Miller trat im Frühstücksfernsehen auf und zahlreiche Wochenzeitungen schlossen sich begeistert den Diskussionen an.

Sich in der eigenen Haut wohlfühlen

Genau darum geht es in dem Artikel. Und genau damit tun sich soooo viele Frauen wahnsinnig schwer, was allerdings nicht verwundert, sieht man sich Fotos in Frauen(!)Zeitschriften genauer an. Eines der aktuellsten Beispiele lieferte kürzlich die deutsche Cosmopolitan mit Germany´s next Topmodel Sara Nuru am Cover:

Sara Nuru - Man beachte ihre Oberweite ...

Sara Nuru - Man beachte ihre Oberweite ...

Wen wundert es da noch, dass viele Frauen verunsichert sind und sich in ihrer Haut unwohl fühlen, wenn sogar bei einer wirklich hübschen 19-Jährigen mit Hilfe von Photoshop die Oberweite deutlich sichtbar vergrößert und unnatürlich nach oben verschoben werden “muss”?

Derartige “Verbrechen” stammen übrigens nicht aus den Redaktionen von Männerzeitschriften, wo frau ja unter Umständen sogar noch die (niedrigen) Beweggründe nachvollziehen könnte, nein, sie kommen aus den Redaktionen von Frauenzeitschriften. Und hier sind in der Regel auch Frauen für derartige Ergüsse verantwortlich.

Ich steh´ zu mir und meinem Körper!

Ich bin keine 19 mehr, habe nicht den ganzen Tag Zeit (und auch keine Lust), um meinen Body im Fitness-Studio zu stählen, will mich nicht nur von Magerjoghurt und Salatblättern ernähren. Ich bin Mutter, sitze viele Stunden täglich am Computer und esse gerne mal ein Sahnetörtchen. Logisch, dass ich da nicht mit diesen Photoshop-geschönten Girlies mithalten kann. Zumindest, wenn ich mir dieses angebliche Idealbild ansehe, dass die Medien geschaffen haben.

Aber ich weiß, dass ich einige andere Vorzüge habe, die als durchaus attraktiv empfunden werden …

Und ich weiß:

Nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben

Daher stehe ich zu mir und meinem Körper, schaue über das eine oder andere Gramm zu viel locker hinweg. Und ich finde es sehr, sehr schön, dass mein Partner meinen Hintern, der bestimmt nicht in eine Männerhand passt, wie bei den knochigen Laufsteg-Schönheiten, so sexy findet.

Offener Brief an Frauenzeitschriften

Die New Yorker Organisation CAKE, Herausgeber des Buches “Sex – so machen´s Frauen“, veröffentlichte bereits vor zwei Jahren einen offenen Brief zu diesem Thema. Wenn du auch dieser Meinung bist, dann kopiere einfach die folgenden Zeilen und schicke ihn per Post oder eMail an “Deine” Frauenzeitschrift.

Vielleicht leiten wir damit ja tatsächlich eine Revolution ein?!

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An: Alle Redakteurinnen von Frauenzeitschriften
Von: (Ihr Name)
Betreff: Werdet endlich normal!

Wenn wir uns Ihre Zeitschrift anschauen, stehen wir unter dem Druck, »perfekt« zu sein, unseren Männern in »10 einfachen Schritten« zu gefallen und die neue, beste Hautcreme zu kaufen, um diese hässlichen Falten wegzumachen. Auf einmal betrachten wir uns im Spiegel und denken, »irgendwas passt doch hier nicht«. Ein bisschen Farbe und Lippenstift lassen wir uns ja gefallen – aber Körperteile zu verzerren, um das perfekte Bild zu erzielen? Nein, dass geht nicht. Indem Sie manipulierte, unrealistische Maßstäbe präsentieren, hat Ihre Branche das gängige Frauenbild völlig ausgehöhlt.

Das hat nichts mehr mit gutem Geschmack zu tun; Sie »airbrushen« und zu Tode, nur um Ihren Leserinnen die Unvollkommenheit des weiblichen Körpers zu ersparen. Dank Ihrer Fotos wird die Manipulation der weiblichen Figur hoch geachtet. Sie ignorieren die negativen Auswirkungen, die diese Bilderwelt auf die weibliche Wahrnehmung des Körpers, auf unser Selbstvertrauen und letztendlich auf unsere Sexualität hat. Der weiblich Körper wird so hypersurreal dargestellt, dass unsere Augen darauf trainiert sind, natürliche, echte Körper abzulehnen, sollten wir sie überhaupt einmal erblicken.

Kate Winslet (Star aus Titanic und anderen Hollywood-Blockbustern) hat sich zu diesem Phänomen geäußert. Sie war erschrocken, welche Bilder von ihr nach einem Fototermin veröffentlicht wurden. Vor allem schockierte sie, in welchem Ausmaß ihr Körper verändert und schlanker gemacht worden war, so dass er der aktuellen Mode entsprach.

Warum machen Sie diesem Trauerspiel nicht ein Ende, anstatt die Meister des Airbrushing zu preisen?

Fast alle Redakteure und Autoren Ihrer Magazine sind Frauen, die die Macht besitzen, unsere kulturelle Definition dessen, was als »schön«, »sexy« und »feminin« angesehen wird, zu verändern. Vor über einer Generation hat Betty Friedan geschrieben, der höchste Wert und die einzige Verpflichtung für Frauen sei die Erfüllung ihrer eigenen Weiblichkeit. Sie fördern eine neue, ungesunde Version der weiblichen Aura, dabei könnten Sie die Standards verändern und das Bild der weiblichen Schönheit in der Popkultur revolutionieren, indem Sie einfach Bilder von echten Frauen abdrucken.

Bis das jedoch der Fall ist, möchte ich mein Abonnement kündigen.

Mit freundlichen Grüßen

(Ihr Name)

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Eine Antwort auf Bauchspeck statt Hungerknochen

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