Macht & Hingabe

malesub-19-sDas ist der Titel der aktuellen Ausgabe des Magazins Feigenblatt. Auf bekannt niveauvolle Art und Weise öffnet Herausgeberin Anja Braun mit ihrem Team Türen zu einer Welt, die uns “Normalos” meist verschlossen bleiben.

Deutlich wird bei der Lektüre, dass auch wir Normal-Heteros vielleicht etwas von der “harten” SM-Szene lernen können, dass BDSM häufig ziemlich Männer-Wix-Phantasie-dominiert ist, was (mir) fehlt und, dass es da noch was zwischen schwarz und weiß geben muss.

Vorweg: Keine Wertung

Damit das hier nicht falsch verstanden wird: Für mich gibt es keinen richtigen und falschen Sex. So lange alle Beteiligten an den Geschehnissen Gefallen finden, niemand zu etwas (gegen seinen Willen) gezwungen wird und sich alles im gesetzlichen Rahmen bewegt, soll jeder tun und lassen, was er will.

Aber: Auf mich persönlich haben Erniedrigungen, Demütigungen und Verachtungen absolut keinen positiven Reiz. Daher kann ich keinen Gefallen daran finden, dass ein Partner etwa Stiefel sauber lecken muss, wenn einer mit Schimpfwörtern wie “Sklavensau” beschimpft und dabei angespuckt wird oder wenn “Ungehorsam” mit Peitschenhieben bestraft wird und blutende Striemen hinterlässt. Wem´s gefällt: bitte schön. Für mich: nein, danke!

Zwischen schwarz und weiß

Bestimmt gibt es aber auch sehr Reizvolles zwischen zärtlichem Blümchensex und schmerzvollen SM-Sessions. So, wie es zwischen vollkommener Abstinenz und Koma-Saufen die reizvolle Möglichkeit gibt, sich an ein oder zwei Gläsern erstklassigem Wein zu erfreuen. Vielleicht ist es einfacher entweder zu sagen “ich trinke gar nichts” oder sich zwei Flaschen billigen Vodka zu verabreichen, als die Feinheiten, die kleinen Nuancen mit sensibler Nase und geschultem Gaumen herauszufinden und sich daran zu erfreuen.

Ich bin mir sicher, dass sich der Aufwand lohnt, seine Sinne zu sensibilisieren, um die kleinen Zwischentöne hören zu können. Vielleicht finden wir ja so zum “Neuen 5-Sterne-Sex”. Das wäre doch gleich auch eine Headline für Journalisten, die sich oft leichter tun über abartige und sonderbare Sex-Trends zu schreiben, als über mehr oder weniger langweilige(?) Normalitäten.

Immerhin träumen laut einer Umfrage ganze 92 Prozent der Frauen von spielerischen Fesselspielen und soften SM-Inszenierungen. Wobei die Betonung eben auf “spielerisch” und “soft” liegt. Da fantasiert man bzw. frau wohl eher von mit Satin-Tüchern verbundenen Augen oder eben weichen Handfesseln, in denen man dem Partner ausgeliefert ist, als vom Striemen-übersähten Hinterteil.

Macht und Hingabe

feigenblatt-2009-17.orgMan träumt von der Hingabe, dem dazu notwendigen Vertrauen in den Partner und seiner Macht, die er zur Steigerung der Empfindungen nützen soll. Genau dieses Vertrauen, das Voraussetzung für  Hingabe ist, ist eine enorm wichtige Größe bei der Beurteilung einer Partnerschaft.

Daher gefällt mit der Titel “Macht & Hingabe” des aktuellen Feigenblattes auch so gut. Denn Hingabe – den anderen machen, bestimmen, führen … zu lassen – ist mit Sicherheit eine wichtige Grundlage für wirklich guten, innigen Sex. Oder wie Anja Braun schreibt: “Ohne Hingabe taugt Sex bestenfalls zum Druckablassen.”

Für mich ist dabei wichtig, dass trotz – oder gerade auf Grund – absoluter Hingabe beide Partner menschlich gleichwertig bleiben. Hingabe bedeutet für mich nicht Unterwerfung oder gar in die Rolle eines Sklaven zu schlüpfen. Macht ist nicht gleichzusetzen mit “Herr und Gebieter” oder Domina.

Macht muss nicht Ungerechtigkeit bedeuten. Und schon gar nicht Schläge. Vielleicht kann man das mit Eltern und Kindern vergleichen? Gute Eltern helfen ihren Kindern Erfahrungen zu machen und daraus etwas zu lernen. Schlechte Eltern kennen Rohrstock, Ohrfeige und Strafen als Erziehungsmittel. Den guten Eltern werden sich Kinder gerne “hingeben”, da sie wissen, dass ihnen ihre Eltern Gutes tun, auch wenn sie manchmal Dinge befolgen müssen, die in diesem Moment (noch) nicht verstanden werden.

Normalität und Perversion

Ich denke, dass es bei diesen – hier wieder aufs Sexuelle beschränkten – Spielchen für jeden Einzelnen darum geht, seine persönlichen Grenzen zu setzen, die des Partners zu akzeptieren und die Ziele genau zu definieren. So kann man seinem persönlichen 5-Sterne-Sex näher kommen. Und auch der Weg über 1, 2, 3, 4-Sterne kann doch seine Reize haben, oder?

Männer-Wix-Phantasien

Anja Braun beschreibt es etwas schöner mit “Männer leben im Zauberland der Masturbationsphantasien”, gemeint ist aber das Gleiche: Was man zu diesem Thema an Literatur, Fotografien oder Filmen findet, zeigt meistens nur dominante Männer, die ihre Sklavin(en) mehr oder weniger liebevoll zur sexuellen Ekstase foltern.

Die Alternative sind Darstellungen, die meistens recht eindeutig der schwulen BDSM-Szene zuzuordnen sind. Diesen Eindruck erwecken leider auch die (wenigen) Fotos im Feigenblatt, die Männer zeigen, bei mir.

Frauen an die “Macht”!

Nein, ich plädiere jetzt nicht dafür, dass frau Hochschulkurse zum Thema “Domina in fünf einfachen Schritten” besucht. Aber ich bin mir sicher, dass es auch – genügend – Männer gibt, für die es überaus prickelnd und erregend ist, mit verbundenen Augen oder/und gefesselten Händen darauf zu warten, was ihre Liebste mit ihnen anstellt.

Ach ja, da erinnere ich mich gerade an einen Artikel, den ich vor einiger Zeit geschrieben habe. Darin geht es unter anderem um “Teasing and Denial” (ziemlich weit unten), ein sehr, sehr reizvolles Spiel zum Thema Macht und Hingabe.

Ich hab mich mal im Web auf die Suche nach Fotos mit Männern, die sich ihre Liebsten hingeben, gemacht. Ein paar habe ich gefunden. Vielleicht dienen sie ja dazu Fantasien zu entwickeln, die zwischen Normalität und Perversion liegen …

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Bilder gefunden bei malesubmissionart.com

Shopping-Tipps: Sehr angenehme und empfehlenswerte Accessoires für sanfte Fesselspiele gibt es hier unter “SOFT-Bondage“.

Eigentlich eher nur symbolischen Charakter haben die mit Perlen verzierten Handschellen “Plaisir Nacré” und die Handschellen “Za za zu” mit Marabu-Federn, stellen aber eine sehr stilvolle Möglichkeit dar, um sich mit dieser Spielart anzufreunden. Besonders reizvoll finde ich auch die Augenbinde “Shhh” aus Satin.

Und alle verfügbaren Ausgaben des Magazins Feigenblatt gibt´s auch hier.

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